Lohn als Quereinsteiger: Was kannst du in der Schweiz wirklich verdienen?

Ein Karrieresprung muss kein Lohn-Rückschritt sein. Wir analysieren die realistischen Einstiegsgehälter in den Top-Branchen für Umsteiger.

4 Min. Lesezeit

Oct 25, 2025

work desk with laptop
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Die grösste Hürde bei einem Quereinstieg ist oft nicht der Mut, Neues zu wagen, sondern die Angst vor dem finanziellen Rückschritt. "Muss ich jetzt wieder bei null anfangen?" oder "Verdiene ich 50% weniger?" Diese Sorgen sind verständlich, aber in den meisten Fällen unbegründet.

Ein Karrieresprung muss kein Lohn-Rückschritt sein. Wir analysieren die realistischen Einstiegsgehälter in den Top-Branchen für Umsteiger.

Die Wahrheit ist: Ihr Lohn als Quereinsteiger wird nicht nur von der neuen Position bestimmt, sondern von dem, was Sie mitbringen. Und Sie bringen mehr mit, als Sie denken.

Was bestimmt Ihren Lohn als Quereinsteiger?

Vergessen Sie die Idee, dass nur Ihre formale Ausbildung zählt. Unternehmen zahlen für Fähigkeiten, und Sie haben davon eine Menge, sie heissen nur anders.

  1. Übertragbare Fähigkeiten (Soft Skills): Jahrelange Erfahrung in der Gastronomie bedeutet, Sie sind ein Meister der Deeskalation, Organisation und Kundenorientierung. Das ist Gold wert für jede Support- oder Teamleitungs-Position. Erfahrung im Verkauf bedeutet, Sie können zuhören, verhandeln und überzeugen, was entscheidend für einen Job im Consulting oder Key Account Management ist.

  2. Die neue Branche: Der offensichtlichste Faktor. Ein Wechsel aus dem Detailhandel in die IT- oder Pharmabranche wird fast immer zu einem Lohnsprung führen, da diese Branchen eine höhere Wertschöpfung haben.

  3. Die Lernkurve: Einige Quereinsteiger-Jobs sind eigentlich bezahlte Ausbildungen (z.B. Lokführer:in). Hier ist der Einstiegslohn während der Ausbildung vielleicht niedriger, steigt aber sofort nach Abschluss sprunghaft an.

Realistische Löhne: Ein Blick auf die Top-Branchen

Analysieren wir, was Sie in den beliebtesten Branchen für Quereinsteiger in der Schweiz realistischerweise erwarten können. (Alle Angaben sind Schätzungen und können je nach Region und Vorerfahrung stark variieren).

1. IT & Technik (z.B. IT-Support, Junior Developer)

Die IT sucht dringend nach Leuten. Ein Diplom ist oft zweitrangig, wenn Sie beweisen können, dass Sie ein Problem lösen können (z.B. durch ein Bootcamp oder private Projekte).

  • Realistischer Einstiegslohn: CHF 65'000 – 80'000 pro Jahr

2. Büro & Administration (Sachbearbeitung)

Der klassische Wechsel ins Büro. Hier zählen Ihre Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten.

  • Realistischer Einstiegslohn: CHF 60'000 – 75'000 pro Jahr

3. Transport & Logistik (z.B. Lokführer:in, Chauffeur:in)

Die SBB ist berühmt für ihr Quereinsteiger-Programm. Die Ausbildung wird bezahlt (ca. CHF 60'000) und der Lohn danach ist exzellent.

  • Realistischer Lohn (nach Ausbildung): CHF 80'000 – 90'000 pro Jahr

4. Finanzen & Versicherung (z.B. Kundenberater:in)

Hier wird oft nicht nach einem Bank-Diplom, sondern nach Verkaufstalent gesucht. Die Löhne sind oft leistungsbasiert, aber die Einstiegsgehälter sind solide.

  • Realistischer Einstiegslohn (Fixum): CHF 70'000 – 85'000 pro Jahr

5. Gesundheit & Soziales (z.B. FaGe, Betreuung)

Hier steht oft der Sinn im Vordergrund. Die Ausbildungen für Erwachsene (z.B. zur Fachperson Gesundheit) sind oft stark gefördert oder bezahlt.

  • Realistischer Lohn (nach Ausbildung): CHF 60'000 – 70'000 pro Jahr

So verhandeln Sie Ihren Lohn richtig

Als Quereinsteiger müssen Sie Ihre Geschichte verkaufen. Gehen Sie nicht mit der Haltung "Es tut mir leid, dass ich kein Diplom habe" in ein Gespräch.

  • Nutzen Sie Lohnrechner: Recherchieren Sie! Nutzen Sie die Lohnrechner des Bundes (SALARIUM) oder von Lohncheck.ch, um ein Gefühl für die Zielposition zu bekommen.

  • Argumentieren Sie mit Ihren "Soft Skills": Sagen Sie nicht: "Ich kann zwar keine Buchhaltung, aber ich bin teamfähig." Sagen Sie: "In meinem alten Job habe ich ein 5-köpfiges Team durch die stressigsten Phasen geführt. Ich weiss, wie man priorisiert und ein Team motiviert, und genau das bringe ich in Ihre Buchhaltungsabteilung mit ein."

  • Seien Sie offen für den Einstieg: Manchmal ist es strategisch klug, für den Traumjob einen kleinen Lohn-Rückschritt von 5-10% in Kauf zu nehmen. Denken Sie daran: Nach 1-2 Jahren in der neuen Branche sind Sie kein Quereinsteiger mehr, sondern eine Fachkraft. Dann können Sie den Lohn neu verhandeln, und zwar massiv.

Fazit

Ein Quereinstieg ist eine Investition in Ihre Zukunft. Er bedeutet fast nie, "bei null" anzufangen. Ihre Erfahrung ist wertvoll. Ein kleiner, temporärer Rückschritt beim Lohn kann die Tür zu einer völlig neuen Karriere öffnen, in der Sie langfristig viel glücklicher und oft auch wohlhabender werden.

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